Für Politiker gelten andere Regeln

Gesellschaft, Politik | 19. Dezember 2009

“Gute Leistungen von Mitarbeitern bringen Unternehmen voran. Gute Arbeit leisten Menschen aber nur dann, wenn sie Fehler machen dürfen, ohne gleich den Rausschmiss zu riskieren. Wer unter der ständigen Angst arbeitet, etwas falsch zu machen und am Pranger zu landen, der traut sich nichts oder schiebt den berühmten Dienst nach Vorschrift. Das wirft Unternehmen in ihrer Innovationskraft zurück und hinter Wettbewerber (…)”

[Sibylle Haas: "Gemobbt und ausgebrannt", sueddeutsche.de, Sonnabend 19. Dezember, 2009]

Der Kommentar von Sibylle Haas ist schon bemerkenswert. Immerhin bringt sie damit ihren eigenen Berufsstand in eine ziemliche Bredouille. Denn wenn das Jahr 2009 des politischen Journalismus etwas zu Tage gefördert hat, dann wohl die regelmäßige und ausgiebige Anprangerung vermeintlicher Fehltaten unserer Politiker. Da grenzt es doch fast schon an ein Wunder, dass in Deutschland überhaupt noch Politik betrieben wird.

Unabhängige journalistische Aufklärung ist ein wichtiges Gut demokratischer Verfassungen, das es zu pflegen gilt (Italien!). Ebenso sollten Journalisten allerdings auch ihren Berufsethos pflegen und objektive Aufklärung immer einer subjektiven Meinungsmache vorziehen.

Ganz unschuldig ist die politische Prominenz freilich nicht. Schließlich ist es sie selbst, die sich durch ihre vielfachen Auftritte in “politischen” Talks Shows und ihrem allgemeinen Hang zur medialen Omnipräsenz vom Wohlwollen der Medien abhängig macht. In diesem Sinne wünsche ich mir für das Jahr 2010 ein bisschen weniger “Dienstwagen” und ein bisschen mehr innovative Politik.

2 Kommentare »

  1. Politiker und Journalisten sind ein Spezialfall. Die brauchen sich gegenseitig genauso wie sie sich gegenseitig ausnutzen. Politiker nutzen die Presse um andere Politker anzuprangern, Journalisten benutzen die Politik um einander Fehlverhalten vorzuhalten. Und jede denkbare andere Kombination aus Eigennutz und Öffentlichkeitswirkung.
    Im Arbeitsalltag sollte die Devise sein: Du darfst Fehler machen, aber nicht zu häufig. Wir alle lernen aus unseren Fehlern, sollten wir zumindest. Deshalb sollten sie als Chance begriffen werden. Allerdings kann niemand einen Mitarbeiter gebrauchen, der mehr Schaden als Nutzen bringt.

    Mir von Politikern etwas zu wünschen, habe ich mir längst abgewöhnt. Ich bin immer schon zufrieden, wenn sie “den Laden” nicht vollkommen ruiniert haben.

    Comment von Holger Ehrlich — 20. Dezember 2009 @ 15:50
  2. Nimm mir doch nicht meinen letzten Rest Hoffnung!

    Aber mal im Ernst, es ist (m)eine Grenze des Erträglichen erreicht. Die “Der Professor aus Heidelberg”-Kampagne hat ja schon vor einigen Jahren gezeigt, wie gute Ideen über ein Medienschauspiel schnell kaputt geredet werden.

    Comment von tts — 21. Dezember 2009 @ 17:07

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