Tatort I
Da verbringt man ein ganz annehmbares Wochenende und anstatt sich von Miss Undercover II berieseln zu lassen, schaltet man doch wieder zum Tatort, und ist danach halbwegs desillusioniert. Das haben viele Tatorte ja gemein, selten bis gar nicht mehr jagt der coole Typ einfach nur den Bösewicht. Nein, vielmehr sind die Kommissare selbst oft problembehaftet und das private Drama vermischt sich regelmäßig mit dem beruflichen. Die Tendenz zum Antihelden ist aber keine Tatort-Erfindung, sondern in den letzten Jahren wesentliches Merkmal fast aller Krimis geworden. Allen voran natürlich der Skandinavischen, die bereits vom “Setting” her dazu einladen.
Der heutige Tatort “Neuland” spielt auf jeden Fall nicht in Frankfurt, sondern auf dem Land. Fritz Dellwo (Jörg Schüttauf) besucht dort seine “erste große Liebe”. Schuld sind Stadtenge, Burnout-Symptome und nicht zuletzt seine Erinnerungen an eben die junge Frau, die dort nun mit ihrem Mann und ihren Kinder auf einem Bauernhof lebt. Nach oben beschriebener Krimi-Didaktik ist natürlich klar, dass Fritz Dellwo keinen Landfrieden (vor-)findet, die Dörfler alle sehr sehr schlecht drauf sind, seine erste große Liebe sowieso ziemlich die Schnauze voll vom Landleben hat und zur Krönung auch noch in Dellwos Fall eine leidtragende Rolle spielt.
Wer romantische Vorstellungen vom Landleben hat und diese auch gerne behalten möchte, sollte sich diesen Tatort zumindest nicht anschauen. Danach ist man geprägt und will auf keinen Fall und niemals auf einem Bauernhof leben. Allerdings landet man mit dieser Denkweise im Tatort-Kosmos schnell in einer Sackgasse. Bereits nächste Woche könnte die Seuche “Stadt” zentrales Motiv des Tatorts sein. Das haben eben viele Tatorte so an sich, egal wo sie spielen, danach denkste immer nur “was ne scheiße”!
Die Tatort Macher sind sich aber wohl bewusst, dass ihr Format hauptsächlich der Familienzusammenkunft am Sonntag Abend dient. Deswegen wird auch ein wenig desillusioniert. So kann die Familie froh sein in den eigenen vier Wänden zu sein, und s9ch daran bereichern dass es den ‘anderen’ doch viel schlechter geht…
Na das lass die Tatortmacher mal lieber nicht hören, dass sie Familienprogramm machen würden.
Allzumenschliche (Anti-)helden liebt das Publikum. Sie sind problembehaftet und damit so wie wir (ihr!!!- kleiner Witz am Rande). Das Prinzip wurde schon bei den “Die Hard”-Filmen genutzt, sowie in den (wie du schriebst) skandinavischen Krimis um die Jahrtausendwende. Neulich hörte ich beim Kochen im Radio (nicht mein Radio), dass es wohl bald einen neuen Krimi geben würde (90min), der in Paris spielt, sehr spannend sei und auch die menschlichen Züge, sprich soziale und psychische Probleme seitens des Hauptprotagonisten nicht zu kurz kommen würden. In diesem Augenblick dachte ich mir: “Na holla, da war wohl die Kreativabteilung der Drehbuchautoren wieder mal besoffen”….”Ganz neu und bestimmt super-interessant”. Nunja, der gemeine Zuschauer mags und schauts. Zumal die deutschen Produktionen eh nichts neues Versprechen, denn der deutsche Fernsehmacher ist faul, risikoavers und quotenbesessen. Weiter so!