Gefangen im Netz

Fernsehen, Internet, Medien | 26. Januar 2009

So heißt eine Dokumentation aus dem Jahre 2007, die gestern Nacht auf dem ZDFinfokanal lief. Klar, es geht um die exzessive Nutzung von Medien, sei es das Fernsehen, das Internet oder Computerspiele, dies allerdings schwerpunktmäßig bei Jugendlichen.

Ich weiß nicht, ob Dr. Ehrlich heute mit Bloggen aufhört, weil er die Doku gestern gesehen hat. Eher nicht. Ich für meinen Teil bin mir allerdings relativ sicher, dass ich ruhig etwas weniger Zeit im Netz verbringe könnte. Das habe ich allerdings für mich selbst entschieden und basiert nicht auf irgendeiner gesellschaftlichen Definition, ab wie vielen Stunden im Netz oder vor dem PC von Suchtverhalten zu sprechen ist. Gerade da sehe ich allerdings großes Potential für Fehlinterpretationen.

Und zusätzlich sehe ich ein Problem darin, dass ausgerechnet die neueren Medien in letzter Zeit, wenn nicht immer, so doch zumindest recht oft, herhalten müssen, wenn Jugendlichen oder einer Erwachsenengeneration, die mit Computerspielen usw. selbstverständlich aufgewachsen ist, Suchtverhalten als eine Art Massenphänomen attestiert wird. Das erscheint mir doch eher Ergebnis einer Hysterie zu sein, zu vergleichen mit der vehement zugenommen Diagnose von ADS/ADHS oder auch Hochbegabung. Daran sind allerdings wirklich die Medien schuld, die alten!

Der Punkt ist, und darüber war sich zumindest der eine Protagonist der Dokumentation im Klaren (der älteste mit 17), dass die neuen Medien maximal ein anderes Ventil für Probleme sein können, aber niemals die Ursache. Wenn man dies so liest, wird wahrscheinlich jeder halbwegs intelligente Mensch diesem Zusammenhang zustimmen. Nur haben anscheinend die neuen Medien ihren ganz eigenen Reiz, den Reiz ihnen grundsätzlich eine Tendenz zum Negativem zuzuschreiben .

Niemand hätte vor 20 Jahren mit dem Kopf geschüttelt, wenn die Hauptbeschäftigung der pubertierenden Tochter darin besteht, nach Schulschluss regelmäßig und überaus exzessiv die Telefonrechnung der Familie zu sprengen. Das wurde zweifelsohne als “normal” betrachtet. Ja, vielleicht sogar als komisch, wenn sie es nicht tat. In der gestrigen Doku allerdings wurde ein junges Mädchen begleitet, dass nach Schulschluss weniger telefoniert, dafür aber vor allem am Rechner mit ihren Freunden kommuniziert. Es ist genau das Gleiche, nur eben ein anderes Medium. In meinen Augen also kein Grund, ihr Verhalten - so wie in der Doku geschehen - hinsichtlich psychologischer Aspekte in Frage zu stellen.

Es hat also durchaus den Anschein, dass eine Art romantisch verklärte Rückbesinnung auf alte Beschäftigungsformen der Jugendlichen sowie Erwachsenen dazu führt, bestimmten Medien automatisch positive Eigenschaften zuzuordnen. So erscheint mir aber eine Leseratte, die sich Nachmittags in ihr Zimmer zurückzieht, nicht viel besser auf das Leben vorbereitet, als das auf allen Kanälen agierende Kommunikationsmonster. Eher im Gegenteil. Ebenso Computerspiele. Was waren die Eltern seinerzeit stolz, wenn sich der Sohn stundenlang alleine beschäftigen konnte. Dies war nicht per se Ausdruck mangelnder Kommunikationsfähigkeit, sondern vielmehr Ausdruck seiner Fähigkeit, sich mit sich selbst zu beschäftigen. Was früher eben der Technikbaukasten war, ist heute der Computer bzw. seine Nutzung. Und was von beiden nun wirklich sinnvoller ist, möchte ich nicht beantworten müssen. Ich bin mir aber sehr sicher, dass die Unterschiede gar nicht so groß sind, wie man auf den ersten Blick vielleicht meint. Der dreidimensionale Leveleditor fordert eben auch einiges an Denkvermögen.

Dieser Eintrag soll ganz sicher nicht Rechtfertigung jeglichen Nutzungsverhaltens neuer Medien sein, schon gar nicht meines eigenen. Ich hatte ja eingangs bereits etwas dazu erwähnt. Aber es sollte eben klar sein, dass sich etwaige Probleme ganz sicher nicht am Medium manifestieren, sondern ausschließlich in seinem Gebrauch. In diesem Sinne wechsel ich jetzt auch schnell vom Internet rüber zum Fernsehen. Die Simpsons begleiten mich schon mein halbes Leben. Und reichlich Fernsehen schauen die Leute schon seit vielen Jahren ohne großen Rechtfertigungsdruck.

I’m back

Internes | 20. Januar 2009

Ich bin also wieder da. Der Pleite meines alten Providers sind lediglich die letzten drei, vier Einträge zum Opfer gefallen. Hätte ja am liebsten wieder von vorne angefangen, aber ich hab mich ja bereits einmal über verlorene Beiträge geärgert.

{EDIT}

Mein Bruder hat mich soeben darauf hingewiesen, dass mich die Pleite des Providers und die damit verbundene längere Nichterreichbarkeit ebenfalls den Platz 1 bei der Google-Suchanfrage “tresenthesen” gekostet hat. Frech!

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