Jugendgewalt
Die Nachrichten zum Thema “jugendliche Gewalt” müssen einen doch zwangsläufig an A Clockwork Orange erinnern. Für mich stellt sich jetzt allerdings die Frage, ob wir wirklich in der Dystopie Stanley Kubricks angekommen sind, oder ob sich die Medienlandschaft geballt eingeschossen hat. Neu wäre das zumindest nicht.
In Kubricks Welt sind wir wohl noch nicht, aber es gibt eine bedenkliche Entwicklung der Jugendgewalt. Einerseits ist die Zahl der von Jugendlichen verübten Gewalttaten rückläufig, so gesehen wohl doch ein Medienphänomen, andererseits werden die Taten brutaler, also doch in Richtung Clockwork Orange. Es kann somit jeder Interessierte seine Sicht der Dinge anhand von Statistiken belegen, was auch nicht neu ist. Ich denke, daß sich die Medien auf das Thema konzentrieren.
bei der heute herrschenden perspektivlosigkeit der jugendlichen ist es kein wunder, dass die einzige ausbildung, die sie geniessen können “draufhauen” ist. wie sonst auch sollten sie sich verständlich machen, wenn man es ihnen nicht anders beigebracht hat?
anstatt jugendheime zu bauen, werden einfach gelder für jugend- und kinderbetreung gestrichen, bzw. unbezahlbar gemacht.
wo sollen sie denn hin?
@zoee – Jugendheime sind keine Lösung. Ihre Abschaffung in den 70ern war richtig. Was wir brauchen sind mehr Lehrer, mehr Jugend- und Familienfürsorger und mehr Sozialarbeiter. Wenn die Schulklassen statt 25 – 35 nur 10 – 15 Schüler hätten, lernten die Schüler besser, weil ihre Lehrer mehr Zeit für sie hätten. In “Problemfamilien” muß es mehr Unterstützung durch Fürsorger und Sozialarbeiter geben. Und nicht zuletzt brauchen wir mehr kostenlose Freizeitangebote für Kinder und Jungendliche. Das kostet zunächst natürlich einen Haufen Geld, aber mittelfristig sparen wir es wieder ein, denn jede Straftat und erstrecht deren Ahndung verursacht erhebliche Kosten. Außerdem profitierte die Wirtschaft von besser ausgebildeten Berufsanfängern. Bleibt nur die Frage warum die Politiker nicht an der Wurzel des Übels ansetzen wollen, sondern lieber “Ausländer raus” schreien?
@holger: dann habe ich mich etwas missverständlich ausgedrückt. mit “jugendheimen” meinte ich exakt das, was du angesprochen hast: betreute und kostenlose freizeitangebote für kinder und jugendliche.
mit der schulsituation, die du ansprichst, gehe ich konform. wir leben nicht in einem sozialen brennpunkt und gewalt an der schule meiner tochter habe ich auch noch nicht bemerkt, bzw. sie hat noch nie etwas davon erwähnt.
ich merke aber selbst an dieser “gutbürgerlichen” schule, dass es hier ein grosses manko an lehrkräften fehlt. die klassenstärke mit 20 gottseidank übersichtlich – aber jedes mal, wenn ein lehrer krank ist oder zu einer konferenz oder tagung muss, fällt der unterricht ersatzlos aus. die kinder sitzen dann entweder unbeaufsichtigt in der klasse oder werden früher nach hause geschickt. der hort ist komplett überfüllt und sowieso unbezahlbar.
ich weiss nicht, warum die politiker nicht an der substanz arbeiten. vielleicht weil es zu teuer ist? vielleicht weil sie sich dann eingestehen müssten, dass diese ganze familienpolitik der (mindestens) letzten 10 jahre genau diese situation verursacht hat?