ALG I Verlängerung ist durch III
Es scheint im Allgemeinen, so verschieden die Meinungen auch sein mögen, doch konsensfähig zu sein, dass wir uns eine geringere Arbeitslosigkeit wünschen.
Im vorherigen Beitrag erläuterte ich, warum die ALG1-Verlängerung nichts mit sozialer Gerechtigkeit zu tun hat. In diesem Beitrag sei darauf eingegangen, dass eine alternative Verwendung der verlängerten ALG1-Zahlungen in der Lage wäre, mehr Arbeit zu ermöglichen anstatt Arbeitslosigkeit zu finanzieren.
Das Anspruchsverhalten vieler Bürger gegenüber ihrem Staat lässt sich oft auf folgende Forderung reduzieren: Lieber Staat, verringere bitte die Steuerlast und erhöhe gleichzeitig die Sozialleistungen, Transfers und finanziellen Hilfen in Notsituationen. Es braucht nicht viel theoretisches Verständnis für die Institution Sozialstaat, um zu erkennen, dass mit der Erhöhung der Sozialleistungen eine Erhöhung der Steuerlast einher gehen muss. Mit anderen Worten, der Widerspruch der oben genannten Forderung ist eklatant.
Wird also die Sozialleistung des Arbeitslosengeldes 1 erhöht, muss diese irgendwie finanziert werden.
In letzter Zeit ist von erhöhten Steuereinnahmen die Rede, ja für das Jahr 2007 zeichnet sich sogar erstmals ein ausgeglichener Staatshaushalt ab (Quelle). Das bedeutet aber nichts anderes, als dass in diesem Jahr keine neue Schulden gemacht werden. An dem gewaltigen Schuldenberg von 1.500.000.000.000 EUR ändert das allerdings gar nichts!
Angesichts der positiven Entwicklung der Staatsfinanzen, scheint für Manche die Finanzierung des verlängerten ALG 1 in trockenen Tüchern zu sein. Kaum hat der Staat mehr Geld eine geringere Neuverschuldung, hauen wir es raus, um Arbeitslosigkeit zu finanzieren. Tolle Idee Herr Beck und Konsorten!
Was aber viel besser und sozial gerechter (!) wäre:
Wir finanzieren anstatt Arbeitslosigkeit sozialversicherungspflichtige Arbeit!
Die derzeit geplante Beitragssenkung der Arbeitslosenversicherung von 4,2 auf 3,3 v.H. ab Januar 2008 (Quelle) ist ein Schritt in die richtige Richtung. Ohne auf steuertheoretische Details einzugehen, wird damit sowohl das Arbeitsangebot als auch die Arbeitsnachfrage positiv beeinflusst, oder wie Finanzwissenschaftler sagen würden, weniger verzerrt, mithin, es werden im Idealfall zusätzliche Arbeitsstellen geschaffen.
Zusammenfassend gesagt, wäre es also langfristig wesentlich sinnvoller, die Mittel, die jetzt in die Verlängerung der ALG1-Zahlungen gesteckt werden, für eine weitere Verringerung des Arbeitslosenversicherungsbeitrages zu verwenden. Wenn nicht die Verringerung der Arbeitslosenrate sozial gerecht ist, was dann?
Diese Zusammenhänge sind natürlich nichts Neues. Stimmen fängt man allerdings nur mit Geschenken. Damit haben sich die Parteien seit den siebziger Jahren von Wahl zur Wahl gehangelt. In jüngerer Vergangenheit, so zumindest mein Eindruck, fingen viele Bürger an zu akzeptieren, dass der lange zu beobachtende wohlige allumsorgende Sozialstaat weder finanzierbar noch besonders hilfreich bei der Bekämpfung der Arbeitslosigkeit ist. Die SPD dagegen rennt mit ihrem Vorstoß, dem sicherlich noch weitere vor der Wahl folgen werden, in frisch verheilte Wunden. Bleibt nur zu hoffen, dass möglichst viele Bürger die SPD bei der nächsten Wahl für diesen Schmerz abstrafen!
Das Problem ist allerdings, daß die übrigen Parteien auch keine konsistenten Programme zur Wirtschaftsentwicklung haben. Weder Verstaatlichung noch ungezügelter Kapitalismus sind ein richtiger Weg.
Fakt ist aber, daß es keinen Sinn hat die Arbeitslosigkeit zu finanzieren. Das ist kontraproduktiv, und schadet letztlich sogar jenen, die länger Arbeitslosengeld bekommen.
BTW – Ist Dir schon mal aufgefallen, daß die Artikel, in die man die meiste Arbeit gesteckt hat, die wenigste Beachtung, bzw. Kommentare finden? Mich ärgert das regelmäßig.
Ja, darüber habe mich erst gestern mit Oliver (kommentiert hier auch manchmal) unterhalten.
Ich denke eben auch, dass solche längeren Artikel die Aufmerksamkeitsspanne vieler Leser überstrapazieren. Und wenn man dann nicht mal Lust auf das Thema hat, liest man es schon mal gar nicht.
Und zudem ist es wesentlich einfacher auf kurzes, knappes, lustiges, vulgäres oder unspezifisches (ewig erweiterbare Liste) mit einem (ebenso inhaltsfreien?) Kommentar zu reagieren. Wie hier zum Beispiel.
Das Thema wäre schon wieder einen eigenen Eintrag wert. Aber irgendwer hat sich damit sicherlich schon ausführlich in einem Blog mit beschäftigt ;-)
ALs nächstes Thema wünsch ich mir die Einführung des Mindestlohns.
Wenn du dir eine Diskussion wünschst, solltest du in den Einträgen offene Fragen stellen.
Das Thema Mindestlohn sorgt auf jeden Fall für eine Diskussion.
Dumm ist nur, dass wir alle gleicher Meinung sind ;-).
@ Marek und Matzito
Nur für Euch zu schreiben, wäre wohl in der Tat etwas komisch. Andererseits hättet ihr vielleicht noch ein paar zusätzliche Argumente oder andere Sichtweisen zu bieten :-)
Das Mindestlohnthema ist auf jeden Fall sehr interessant. Ich schau mal…