Atomkraft? Gerne!

Gesellschaft,Politik,Wirtschaft | 19. Juni 2007

Der aktuellen brand eins liegt ein Werbemagazin des Deutschen Atom Forum e.V. bei. Über die Seite Klimaschuetzer.de – dort kann das Magazin auch als PDF runtergeladen werden – kommuniziert der Verein die positiven Seiten und vor allem die Notwendigkeit der Atomkraft.

Atomkraft ist sicherlich kein Thema, welches sich in einem einzigen Blog-Eintrag abschließend beurteilen lässt. Nur schon mal soviel, ich sehe es eher so als so. Der gesellschaftliche Konsens, Atomkraft sei ja so schrecklich und unbedingt zu vermeiden, trübt in meinen Augen den Blick auf ein paar entscheidende Punkte. Und unterläge der gemeine Politiker nicht dem Median-Voter-Theorem, würde sich vielleicht auch der eine oder andere Realist mehr offenbaren.

Soweit sind wir allerdings noch nicht, und deshalb nutze ich die Gelegenheit ein paar Worte pro Atomkraft loszuwerden.
Die Freundschaft zwischen mir und der Atomkraft ist eine schon sehr lange. Vor einigen Jahren hörte ich einen Radiobeitrag über den damals heiß diskutierten Atomausstieg. Eine Meinung hat mich damals schon überzeugt. Deutschland war (und ist es wohl auch noch) führend in Forschung und Entwicklung von sicheren Atomkraftwerken. Ein Aufgabe dieses Industriezweiges hätte nicht nur den Verlust vieler Arbeitsplätze zur Folge, sondern würde auch bedeuten, dass die Wahrscheinlichkeit sinkt, dass andere Länder auf unsere Atomtechnik zurückgreifen. Wenn wir also auf Atomkraft und damit auf den Forschungsstandort Deutschland verzichten, erhöhen wir die Gefahr, dass Atomkraftwerke gebaut werden, die nicht unbedingt unserem Sicherheitsempfinden entsprechen.

Auf den ersten Blick klingt diese Logik nicht eben fortschrittlich, wollen wir doch saubere Energie für alle und müssten somit nach diesem Credo auf jeden Fall aus der Atomkraft aussteigen. Nur im Falle der Atomkraft würde auch ein Vorpreschen Deutschlands – was sonst Grundvoraussetzung für globale Umweltvereinbarungen ist – nichts nutzen. Es gibt nämlich einen entscheidenden Zusammenhang zwischen Wohlstand und Energieverbrauch. Letzterer ist positiv mit ersterem korreliert. Und wollen wir zum Beispiel den Migrationsdruck der Dritten Welt auf die Erste Welt nicht erhöhen, müssen wir den entsprechenden Ländern die Chance auf mehr Wohlstand geben. Genau dafür braucht die Dritte Welt aber Energie, günstige Energie! Leider wird für den kommenden bzw. weiter steigenden Energiebedarf der 3. Welt Länder, Schwellenländer und Boomländer die Option Wind-, Sonnen- und Wasserkraft keine sein. Sie werden also Atomkraftwerke bauen, ob wir nun aussteigen oder nicht. Ich hoffe, dass es dann unsere Technik sein wird!

Bis jetzt wirkt die Argumentation vielleicht ein bisschen fadenscheinig, baut sie doch darauf, dass andere auch nicht verzichten werden (und können!), und wir deshalb weiterhin Atomkraft nutzen sollten. Der andere Ansatzpunkt ist die Frage nach der Alternative. Sie hiesse erst mal zurück in die Steinzeit, also verkürzt gesagt. Unser Energiebedarf, auch der deutsche, wird mittelfristig und langfristig ohne Atomstrom nicht gedeckt werden können. Ein Verzicht auf den Bayerischen Wald, dafür aber Felder und Wiesen mit Sonnenkollektoren und Windkrafträdern, würde uns wohl auch nur marginal weiter helfen. Der Migrationsdruck der Bayern auf den Rest Deutschlands wäre mir persönlich auch zu groß. Energieverzicht wäre die einzige Lösung! Hätten das einige in Heiligendamm verstanden, hätte der deutsche Staat einiges an Energie sparen können. Das aber nur am Rande. Nur wer lässt sich durch Energieverzicht im Konsum gerne einschränken? Wie auch immer die Frage in Diskussionsrunden beantwortet wird. Rein hypothetische Fragen lassen sich immer leicht weltverbesserisch beantworten. Ich aber habe gelernt ehrlich zu antworten und für mich steht fest, dass ich nur dann auf Energie verzichte, wenn mich dieser Umstand nicht in meinen gewohnten Konsummöglichkeiten einschränkt. Umweltschutz zu kommunizieren ist die eine Sache, ihn zu leben eine ganz andere!

Abschließend will ich aber noch betonen, dass mir ein Energieparadies ohne Atomkraft auch besser gefallen würde. Realismus, ganz und gar nicht Pessimismus, sagen mir aber, dass es wesentlich sinnvoller wäre, neben der Weiterentwicklung der erneuerbaren Energien, auch Ressourcen in die Forschung und Entwicklung noch sicherer Atomkraftwerke zu stecken. Die Chance, anderen Ländern unsere Technik zur Verfügung stellen zu können, sollten wir uns nicht nehmen lassen. Des Weiteren wird – neben der Gefahr explodierender Atomwerke – die Endlagerung der Brennstäbe als größtes Umweltrisiko betrachtet. Dass wir allerdings nicht in der Lage sein sollen, die Brennstäbe für ausreichend lange Zeit im Erdboden verschwinden zu lassen, kann ich mir mein besten Willen nicht vorstellen!?

5 Kommentare »

  1. Dass wir allerdings nicht in der Lage sein sollen, die Brennstäbe für ausreichend lange Zeit im Erdboden verschwinden zu lassen, kann ich mir mein besten Willen nicht vorstellen!? Genau das ist das Kardinalproblem der Atomkraft. Die ältesten einigermaßen intakten Bauwerke dieser Welt sind gut 4000 Jahre alt. Die Endlager müssen aber mindestens 30000 Jahre halten. Selbst nach dieser Zeit ist der hochradioaktive Abfall noch nicht ungefährlich. Niemand kann garantieren, daß nicht plötzlich Grundwasser in den Stollen einbricht. Niemand weiß wie sich der Beton nach 10000 Jahren radioaktiver Bestrahlung verhält. Und nur weil das Problem in ferne Zukunft verschoben wird, kann es nicht als gelöst gelten. Und genau wegen dieser Langfristigkeit der Gefahr, halte ich die Kernspaltung für nicht handhabbar. Andererseits kann man natürlich argumentieren, daß es vielleicht in 10000 Jahren keine Lebewesen mehr geben wird, wenn wir den Treibhauseffekt weiter fördern. Ein Teufelskreis, um es mit den Worten des legendären T.V. Kaiser zu sagen.

    Kommentar von Holger Ehrlich — 19. Juni 2007 @ 11:02
  2. Wenn wir vor 70 Jahren Tanks in der Erde verbuddeln konnten, denen der TÜV heute eine Restlebensdauer von 800 Jahren bescheinigt, sollte es doch eigentlich kein Problem sein ein paar Brennstäbe loszuwerden…
    Das Problem der deutschen Atomkraft ist ein ganz anderes, der Vorsprung in der Technik war immer sehr teuer. Anstatt wie die Franzosen (80% Kernenergie, europäischer Energiemarkt wir kommen!) einheitliche AKW`s zu bauen hat Deutschland immer auf höchstmöglichen technischen Standart gesetzt – schwer zu warten, kostspielig in Ersatzteilen, etc… Aber ohne Kernenergie, da bin ich mir sicher, wird es in Zukunft (mittelfristig) nicht gehen!

    Kommentar von STPreis — 21. Juni 2007 @ 02:30
  3. Worauf bezieht sich das eigentlich mit dem TÜV?

    Kommentar von tts — 21. Juni 2007 @ 20:02
  4. Die NATO hat doch in ganz Europa ein Pipelinenetz mit grossen unterirdischen Tanks. Viele davon wurden im WK II “versenkt”. Da die Bundeswehr keine Lust mehr auf die kurzen Prüfintervalle hatte, hat sie die deutschen Anlagen vom TÜV prüfen lassen, dabei kamen Zahlen wie diese heraus…
    Keine Ahnung, wollte ich einfach mal loswerden, passt nicht wirklich in den Kontext (aber gut in brand eins:
    Durchschnittliche Restnutzungsdauer von 1938 installierten Betriebsstofftanks in Jahren – 800)…

    Kommentar von STPreis — 22. Juni 2007 @ 01:16
  5. Sicherlich ist die Endlagerung der verbrauchten Brennstäbe nicht nachhaltig, dennoch sollten wir beachten, dass unser Energiebedarf ohne die Atomkraft zZt nicht gedeckt werden kann. Überhaupt, wenn man dem Welt-Energie-Bericht (Quelle: BP- fadenscheinig ;) ) Glauben schenken darf, ist Europa nur in der Lage 60% des Komplettenergiebedarfes selbst zu gewährleisten. Der Rest muss importiert werden. Tja, und nun stellt sich die Frage, wie können wir den Bedarf durch andere Ressourcen decken….oder besser noch, wie können wir den derzeitigen Verbrauch soweit senken können, dass gegebene Ressourcen langfristig genutzt werden können. Die Letztere Art finde ich persönlich besser, ist aber zZt unrealistisch, denn es erfordert, dass alle Menschen mitmachen. Das ist ein schier unlösbares Problem und Deutschland separat ist nur ein Krümel des Energieverbraucherkuchens der Welt. Somit können wir sparen und abschaffen (Atomkraftwerke), wie wir wollen, Weltenergiepolitisch gesehen doch eher ein Tropfen auf dem heißen Stein. Wenn es jedoch keinen signifikanten Effekt erzielen würde, wenn wir Energie sparen und vllt Atomkraftwerke abschaffen, warum sollten wir es tun? Vielleicht, um das eigene Gewissen zu beruhigen, oder gar in der Hoffnung als Vorreiter den Effekt zu erreichen, dass andere mitziehen. Das wär doch was- sehr optimistisch gesehen.

    Kommentar von Schneebantu — 23. August 2007 @ 22:46

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