Tresenthesen

Tresen, Thesen, Temperamente

Blogger übernehmen Vormundschaft für studiVZ-Nutzer

11 Januar 2007 by tts

Ich habe was gegen einseitige und undifferenzierte Berichterstattung!

Und ich glaube mich zu erinnern, dass Blogs mal als geeigneter Gegenentwurf betrachten worden sind. Sicherlich journalistisch nicht immer einwandfrei, aber immerhin eine nicht-staatliche Meinung mehr. Iranische, chinesische oder nordkoreanische Medien haben zum Beispiel ja doch einen Hang zur einseitigen Berichterstattung.

Hier geht es aber um etwas weniger weltpolitisches. Was sich nämlich derzeit in der deutschen Blogszene beobachten lässt, hat wenig mit differenzierter Berichterstattung zu tun. Da gibt es nun schon viele tausend Blogs, aber verschiedene Meinungen findet man leider nur wenige. Aber kommen wir endlich zum Thema: das studiVZ natürlich.

Auf das haben sich nämlich einige anscheinend wichtige Akteure der Blogszene eingeschossen und werden nicht müde, uns zu erzählen, wie scheisse diese “Drecksbude” doch sei. Sicherheitslücken aufzudecken ist eine ehrbare und hilfreiche Angelegenheit. Eine Hexenjagd zu veranstalten allerdings eine ganz andere. Ganz vorne mit dabei ist auch DonAlphonso – früher hätte man ihn A-Blogger genannt -, der sich schon über dreissig Beiträge lang die Mühe macht, kein gutes Haar am studiVZ zu lassen. Auf freie Meinungsäußerung legt “AlphaDon” allerdings wenig wert, und macht gleich zu Anfang seines Artikels “StudiVZ: 700 Stalker und der Datenschutz” darauf aufmerksam, dass kritische Kommentare gelöscht werden. Und er scheint wirklich erfolgreich gewesen zu sein, denn soweit ich das überblicken konnte, hatte keiner der immerhin sechshunderteinundzwanzig (!) Kommentare auch nur ansatzweise einen kritischen Unterton.
Schade, dass ich seinen Beitrag zu spät gefunden habe. Aus siebenhundert Mitgliedern einer Gruppe, auch siebenhundert “heimliche(r) Sexisten” zu machen, nenne ich Verleumdung. Komisch, dass DonAlphonso nicht selber darauf gekommen ist, schwingt er doch sonst so gerne die Rechtsstaatkeule.

Das Stalker-Thema ist aber eigentlich schon Geschichte. Mit dem Verkauf des studiVZs an die Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck, der man sicherlich ein bisschen Medienerfahrung unterstellen kann, hören Johnny und DonAlphonso und andere trotzdem nicht auf, für miese Stimmung zu sorgen. Auch wenn ich zu gerne an ihre aufklärerischen Absichten glauben möchte, fällt es mir sehr schwer, ihnen nicht einfach nur Neid zu unterstellen.
Vielleicht wird es auch mal Zeit, dass ein deutsches Unternehmen mit einer Online-Community Geld verdient? Ich persönlich kann daran nichts verwerfliches finden, sofern rechtlich alles in Ordnung ist.

Noch mal, ich finde es wirklich wichtig und lobenswert, auf Datenschutzprobleme aufmerksam zu machen. Was ich aber überhaupt nicht mag, ist die uniforme Bevormundung der studiVZ-Nutzer durch einige “wichtige” Blogger, die mittlerweile anscheinend keinen geringen Einfluss auf die deutsche Medienlandschaft ausüben. Jeder hat auch eine eigene Verantwortung und ich bin mir sicher, dass sich dieser Tatsache die meisten Studenten im studiVZ bewusst sind und deshalb auch weiterhin selbstbestimmend das Studentenverzeichnis nutzen werden.

Ich zumindest habe genug von der momentanen Hexenjagd der Blogszene und hoffe, dass sie sich endlich mal wieder wichtigeren Themen widmet. Und ganz sicher halte ich auch mal wieder Ausschau nach anderen Meinungsmachern.

Überall das Gleiche zu lesen, ist kein Schritt nach vorne sondern zurück!

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