Das Drama um das Studiverzeichnis ist nicht Thema dieses Artikels. Wer etwas mehr darüber erfahren möchte, sollte aber auf keinen Fall auf spiegel.de nachlesen. Die dortigen Artikel sind voller Neid und Missgunst und wenig objektiv. Ich denke da nur an die angeblichen Sex-Stalker im Studentennetz. Hier geht es aber um den Stern-Ableger NEON.
Eben habe ich also in einem Nutzerprofil eines studiVZ-Mitglieds die Gruppe “Anti-NEON” gesehen und bin spontan eingetreten. (Anmerkung: Gruppen im Studiverzeichnis dienen selten zur intensiven Kommunikation unter den Gruppenmitgliedern. Vielmehr zeigen die meisten Nutzer damit Ihre Interessen, Einstellungen und Zugehörigkeiten)
Die ersten beiden Ausgaben der NEON habe ich ja auch noch gekauft und gelesen, und fand es ganz interessant, dass es ein Magazin extra für meine Altersgruppe gibt. Schnell aber habe ich gemerkt, dass mich die ausgeprägte Möchtegern-Zielgruppenorientierung kaum anspricht. Die Fokussierung auf nur wenige Themenbereiche, von denen die Macher des Magazins wohl denken, dass sie mich als Zielgruppenzugehöriger brennend interessieren müssten, und das Durchkauen von schon ewig Bekanntem oder einfach nur Belanglosem, langweilten mich schnell und ich liess fortan das Heft am Kiosk. Und dort wird es auch in Zukunft liegen bleiben, wie ein Blick auf ausgewählte Themen der noch aktuellen Dezemberausgabe und der Januarausgabe zeigt:
Schon blöd| Innere Werte? Egal! Den Hübschen wird das Leben viel leichter gemacht - auch von dir
Toll! Da hat die NEON ja zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen. Wer soll das lesen? Die Hässlichen, die gerne ihre Vorurteile bestätigt sehen oder doch die Hübschen, die gerne lesen, dass sie es einfacher haben? Auf diesen Artikel hat die Welt gewartet. Zweikommafünf Euro gespart!
Schlagfertig im Job| Wir wissen heute schon, was du morgen deinem Chef antworten solltest
Danke liebe NEON. Was würde ich nur ohne Euch machen. Das zielgruppengerechte Karrierethema darf natürlich nicht fehlen und ich bin begeistert, dass ihr meinen (zukünftigen) Chef kennt und mir todsichere Tipps geben könnt, wie ich denn am besten mit ihm umgehen sollte. Überhaupt sind solche Tipps reichlich sinnlos unter der Annahme, dass meine potentielle Konkurrenz diese und ähnliche Tipps auch liest. Ich bleibe bei meinem eigenen Verstand und selbstverständliches brauche ich nicht nachlesen. Zweikommafünf Euro gespart!
Drei sind einer zuviel| So kann die Erinnerung an den Ex-Partner die neue Beziehung ruinieren
Da haben wir also das obligatorische Beziehungsthema. Wahlweise auch gerne variiert mit dem Sexthema. Darüber kann man ja bekanntlich nie genug erfahren. Meine kurze Analyse für oben: Solange man noch an den Ex-Partner emotional denkt, oder den neuen mit dem alten vergleicht, kann es mit der neuen Beziehung nichts werden. Zweikommafünf Euro gespart!
Alltagsdoping| Warum normale Menschen plötzlich Pillen schlucken, um leistungsfähiger zu werden
Auf das Thema ist ja echt noch kein anderes Magazin gekommen. Und viel neues wird man in diesem Artikel sicherlich auch nicht erfahren. Ich tippe mal super spekulativ auf Leistungsdruck, wenn sie leistungsfähiger werden wollen? Zweikommafünf Euro gespart!
Saufen, Knutschen, Karaoke| Wie man die Büro-Weihnachtsfeier in Würde übersteht
So, jetzt haben wir endgültig freenet.de-Niveau erreicht. Mein Wahnsinnstipp: Kein Saufen, kein Knutschen, kein Karaoke oder hoffen, dass die anderen noch betrunkener sind. Zweikommafünf Euro gespart!
Natürlich gibt es im Studiverzeichnis auch eine Gruppe für begeisterte NEON-Leser. Und wem das Magazin gefällt, soll es auch weiterhin kaufen und lesen. Eins/zwei Artikel mögen ja amüsant sein. Nur hoffe ich, dass sich die vermeintliche Zielgruppe nicht auf diesen Stern-Ableger reduzieren lässt und sich auch noch anderweitig informiert. Vielleicht sehe ich das aber auch alles falsch, und alle kaufen das Magazin bewusst nur zu reinen Unterhaltungszwecken? Zu wünschen wäre es, nur der Anspruch der Macher ist ein anderer und viele Leser sehen ihn leider auch noch erfüllt.
Ich bin Anti-NEON!