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Seit Anfang des Jahres gehe ich wieder regelmäßig ins Fitnessstudio. Da es für eine Edelkörperschmiede nicht reicht, bin ich wieder beim Macces der Fitnessstudios gelandet. Da muss ich mich wenigstens nicht mit Saftbarbeaus messen oder zugeschminkten Tussidorfschicksen abgeben. Ganz im Gegenteil, da hat man die richtigen Pumper am Start, ich pass also super rein.
Auf jeden Fall hab ich mir ja vor etwa vier Monaten radikal die Haare abrasiert, was allerlei Gründe hatte, nur nicht eben den Versuch bedeutete, mich äußerlich an die Studiogäste anzupassen. Was mir aber sofort aufgefallen ist, dass mir (ohne Scheiß!) plötzlich mehr Respekt entgegen gebracht worden ist. Aus “Ey, dauert’s noch länger bei dir” wurde plötzlich ein “Hallo, wie viele Sätze machen SIE noch?” und wenn irgendeine Hantel nur ansatzweise in meinem “Revier” rumlag, wurde höflich gefragt, ob ich sie denn noch bräuchte oder man sie nehmen dürfte. Toll denkste da, da rasierst du dir ne Glatze, trainierst ein wenig den Bizeps und schon bist der King, also auf ganz niedrigem Niveau jetzt.
Doof ist dann aber, wenn du dir die Haare wieder wachsen lässt, und trotzdem noch mit “Sie” und überhaupt sehr höflich angeredet wirst. Das passiert mir nämlich gerade, und ein Versuch der Einordnung lässt leider nur einen Schluss zu: Es sind nicht meine Haare. Es ist wohl ehrlicher Weise auch nicht mein Angst einflößend durchtrainierter Körper. Es muss mein Alter sein!
Mit meinem stuck in the middle 31 fühlst du dich selbstverständlich noch ziemlich jung und cool und weigerst dich vehement erwachsen zu werden. Und natürlich sind early twenty somethings noch total dein Alter. Nur wenn eben genau diese anfangen enervierend “Sie” zu sagen und vorsichtig fragend zur Hantel rüberschielen, ist es wohl doch so weit: Ich bin erwachsen.
Und da soll noch mal jemand sagen, die Jugend hätte keinen Respekt vor dem Alter!
Mir ist wirklich nicht klar, was genau an Florian Baums viel zitierten Antwortbrief Grund zum Schlecker bashing via Twitter, Blogs und Massenmedia liefert:
Weil jemand feststellt, dass Werbung funktionieren muss, und nicht die Bedürfnisse schöngeistiger Menschen befriedigen kann? Weil jemand feststellt, dass Marketer Produkte und Unternehmen bestimmten Zielgruppen zuordnen? Weil jemand seine linguistische Ausbildung nicht verleugnet? Weil jemand, wenn auch unüberlegt und naiv hinsichtlich der Konsequenz einer möglichen Veröffentlichung, das sagt, was nicht wenige denken?
Wenn ich beobachte, wie sehr sich ein bedeutender Teil der Gesellschaft durch das Distinktionsmerkmal “Bildung” darin versucht, sich von den sogenannten niederen Bildungsschichten abzuheben, und eben genau diese “Bildungselite” jetzt auf Betroffenheit macht, wird mir ganz schlecht!
In wenigen Tagen geht es Richtung Heimat, zumindest für mein Auto. Da letzteres ein Saab ist, geht es also nach Schweden. Wer es für eine beknackte Idee hält, für sieben Tage erst nach Stockholm und später in die Pampa mit einem Auto zu fahren, das bereits 371 TKM gelaufen ist, hat vermutlich recht. Viel beknackter ist es aber, wenn vier mehr oder weniger erwachsene Männer meinen, sie müssten ihrem jährlichem Männerurlaub plötzlich eine aktive Note verleihen, weil Feiern auf Ibiza -- wahlweise zu ersetzen durch andere Mittelmeerinseln -- ja irgendwie auch nicht immer opportun sein kann.
Deshalb fahren wir also nicht nur für zwei Tage nach Stockholm, weil ja günstigere europäische Partymeilen kaum zu finden sind, sondern hängen noch ein paar Tage Kanu und Camping hinten dran. Wer wüsste, wie wir seinerzeit auf Kreta gleich am Anreisetag aus Gründen der Bequemlichkeit von Standardzimmer auf Junior Suite (jeder eine für sich selbstverständlich) umgebucht haben, stellt sich zurecht die Frage, wieso wir jetzt zu viert in Hostels übernachten und später jeweils zu zweit in Zelten in der freien Natur. Mir erschließt sich das noch nicht so ganz, bin aber auf jeden Fall schon sehr gespannt, welche Auswirkungen das auf unser soziales Gemengelage nach dem Urlaub haben wird.
Die Vorbereitungszeit für so einen Urlaub hat natürlich ganz andere Dimensionen. Vielleicht habt Ihr bereits eine Idee, wenn ich schreibe, dass wir auch einen Kackspaten dabei haben. Wozu wir den brauchen, dürfte klar sein. Klimatisierte Klos dürften aber so oder so kein großes Thema in diesem Urlaub werden. Das einzige was mit Klima zu tun hat, sind wohl unsere Funktionsshirts, die wir bei der ganzen Paddelei tragen. Ich wollte so was ja nie haben, aber was willst du machen, wenn einer der Kandidaten zumindest Ausrüstungstechnisch schon ziemlich weit vorne ist, und Dir vorschwärmt, wie toll man darin schwitzen kann. Mit biologisch abbaubarer Kernseife seien diese auch super easy mopisi zu waschen und gaaanz schnell trocken. Nee, da sagste mal gar nix!
Der Gefahr zuzulegen, was man in so einem Standardurlaub mit HP und 24h Zugriff auf günstige alkoholische Getränke ja durchaus tut, müssen wir uns diesmal dafür nicht stellen. Da Alkohol sehr teuer ist, üben wir mehr Verzicht als sonst und widmen uns zum Großteil dem einzig wahrem Getränk: Wasser. Und Wasser gibt es in Schweden bekanntlich genug. Und obwohl die Survival-Typen auf DMAX ihr Wasser immer (!) abkochen, wenn sie nicht gerade ihren eigenen Urin trinken, haben wir uns für Tabletten entschieden, die man einfach ins Wasser schmeißt, um es trinkbar zu machen. Dann braucht man “nur in die Mitte vom See oder Fluss fahren (wegen der Schwebestoffe am Rand -- haha), Flasche ins Wasser halten, warten bis sie voll ist und gut ist.” Hier haben wir sie also wieder, die Bequemlichkeit. Was das Essen anbelangt, bin ich auch sehr zuversichtlich. Für den Fall, dass wir es nicht trocken und Schimmel frei wieder an Land kriegen, haben wir immer noch Angeln dabei. Und wenn was gesund ist, dann ja wohl Fisch. Wie man selbigen ausnimmt weiß ich dank youtube auch schon.
It’s easy mopisi!
Warum bin ich eigentlich der einzige mit big nasty zusammen aus meinem Freundeskreis, der die Facebook Seite “Guttenberg muss gehen” unterstützt?
Gefällt mir: Guttenberg muss gehen
Heute war ich bei I K E A. Meine Befürchtung das nächste Mal an einem Samstag, womöglich noch mit einer Herzdame, dahin zu müssen, hat sich zum Glück nicht bestätigt. Ich war alleine dort.
Schick muss man sich dafür ja nicht machen. Hab gleich meine Jogginghose anbehalten, und nur eine Jacket artige Jacke rüber geworfen. Modebloggermädchen werde ich jetzt aber nicht, ich wollte es nur erwähnt haben, weil ich das vor vielleicht fünf oder sechs Jahren gaaanz sicher nicht gemacht hätte. Man wird halt entspannter, ach was schreibe ich, cooler wird man mit den Jahren, da ist zum Rausgehen keine ordentliche Jeans mehr nötig. Was, wenn ich jetzt so drüber nachdenke, ja auch Anzeichen einer Thirdlife Crisis sein könnte, so in jungen Jahren waren Jogginghosen zum Spielen ja recht angesagt. Wie auch immer, ich merke auf jeden Fall, dass mein privater Auftritt negativ mit der im Berufsleben gewünschten Norm korreliert ist: geschniegelt nur noch im Notfall.
Mein erster Schritt zur neu gewonnenen Lifestyle-Freiheit war übrigens der Verzicht auf Haargel. Der Angewohnheit sich jeden Tag die Suppe ins Jahr zu schmieren, wurde ich mit der Zeit überdrüssig. Überhaupt war das Thema gepflegte Haare irgendwann vom Tisch. Ich habe sie dann einfach mal wachsen lassen, was sich auch in meinen Frauenbekanntschaften widerspiegelte. Das waren jetzt nicht mehr Frauen, sondern einfach nur andere. Gewissermaßen kann man mit wechselnder Haarpracht je nach momentanen Geschmack seine Chancen zielgerichtet erhöhen. Der Haarlänge nach ansteigend landet man dann ziemlich punktgenau bei einer ostdeutschen Sonnenstudiobraut, einem Stinomädel, einem Düsseldorfer Püppchen oder aber einer westdeutschen Bohème Dame. Tolle Sache.
Weniger toll ist natürlich der oberflächliche Ansatz, der sich darin zeigt. Mich soll das aber echt nicht stören. Sobald ich Lust auf ein suicide girl habe, kommt halt ein bisschen Metall ins Gesicht und ein wenig Farbe in die Haut.
Good Luck!
Mein Bruder hat mir schon vor einigen Monaten “Don’t Stop Believin” von Journey zugeschickt. Aber ich muss zugeben, dass der Song bisher eher ein Trauerdasein in einem Ordner unsortierter Musik führte. Dass es das letzte in “Die Sopranos” gespielte Lied ist, wurde heute aber zum Schlüsselreiz.
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